Am Orange River

Ich sitze im Richtersveld Nationalpark und schaue auf den träge vorbeifließenden Orange River. Wir waren am Fish River Canyon, dem zweit größten Canyon der Erde nach dem Grand Canyon in den USA. Wir haben die spektakuläre Landschaft in der Abenddämmerung erlebt, und am nächsten Morgen ganz alleine auf der Aussichtsplattform unser Frühstück genossen. Danach haben wir in den heißen Quellen von Ai Ais gebadet, und sind gestern wieder nach Südafrika eingereist. Während ich die Gebühren für die kleine Fähre beglichen habe, hat Tina die Einreiseformalitäten beim Zoll erledigt. Mit der ihr eigenen Mischung aus Charm und Naivität hat sie es geschafft, dass wir nochmals 4 Wochen in Südafrika bleiben können. Bis zuletzt waren wir unsicher, ob eine neuerliche Einreise möglich sei oder nicht. Die Vorschriften hatten sich im letzten Sommer geändert, und jeder hat uns etwas anderes erzählt. Jetzt haben wir also genügend Zeit, um uns auf dem Weg nach Kapstadt noch ein bisschen um zu schauen, meine Tochter Sofie in Kapstadt zu besuchen, und das Auto für die Containerverschiffung vorzubereiten. Gestern hat uns eine steile felsige Piste durch das Gebirge an den Orange River geführt, wo wir einen traumhaften Campingplatz fanden. Insgesamt waren nur 4 Camps belegt, und wir haben Lothar und Ellen kennengelernt, mit denen wir einen red- und weinseligen Abend verbracht haben. Heute morgen sind wir nur 10 Kilometer am Fluß entlang gefahren, durch tiefen Sand und über spitzes Geröll bis zu dem Platz, an dem ich jetzt sitze. Vorhin habe ich an unserem Auto die Vorder- und Hinterräder getauscht. Die Namibianischen Pisten haben unser Reifenprofil gerade zu gefressen und die hinteren Reifen haben fast nichts mehr drauf. Bis Kapstadt wird es aber sicherlich noch funktionieren. Dann habe ich eine wunderbar kalte Dusche genommen. Nachdem ich diese Zeilen beendet habe, werde ich in unserem südafrikanischen Potjie Dreibein Topf ein Brot über offenem Feuer backen, und danach einen Eintopf zubereiten. Die Bierdosen in der Kühltasche sind sicherlich noch einigermaßen kühl, so dass einem gemütlichen Abend am Lagerfeuer unter afrikanischem Sternenhimmel mit dem Rauschen des Flusses im Hintergrund nichts im Wege stehen dürfte. Was will man mehr? Langsam spüren wir eine gewisse Wehmut, da die Reise sich unwiederruflich dem Ende nähert. Andererseits sind wir so voller Eindrücke, Geschichten und Abenteuer, dass wir garnicht weiterreisen wollen.Wir brauchen jetzt ein wenig Zeit, damit sich das Erlebte setzen kann. Wir sind der Meinung, dass eine Weiterreise irgendwann auch wieder zum Alltag würde, die Spannung nach ließe. Also freuen wir uns auf Zuhause, auf unsere Familien und Freunde, auf unser Häuschen und auf die Aufgaben, die auf uns warten.

Frühstück am Fish River Canyon
Frühstück am Fish River Canyon

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Kommentare: 2
  • #1

    Chris (Mittwoch, 20 Mai 2015 16:09)

    schön wieder von euch zu lesen, freue mich auch auf ein Wiedersehen.
    Für uns geht's jetzt aber erstmal in Urlaub, weniger spektakulär, aber immerhin :)
    Grüße Chris

  • #2

    Til (Donnerstag, 21 Mai 2015 10:56)

    Freue mich auf Euch und Eure Geschichten. Genießt den Rest der Reise in vollen Zügen!
    Gruß Til