Vollmond über der Wüste

Von Opuwo fahren wir an die angolanische Grenze an den Kunene River. Dieser stürzt sich in Epupa tosend in eine tiefe Schlucht. Unser Camp ist direkt oberhalb der Fälle, und wir beobachten die Gischt-Wolken, die es nach oben treibt. Unterhaltungen können allerdings nur mit erhobener Stimme geführt werden, die Lautstärke des Wassers ist enorm. Zurück in Opuwo nehmen wir nochmals richtig Vorräte auf.Wasser und Lebensmittel für eine Woche und zusätzliche 45 Liter Sprit in Kanistern. Mindestens 5 Tage soll unsere Tour durch das Himbaland im Kaokoveld über einsame Offroad Pisten führen. 80 km nach Abfahrt bemerke ich, dass das Hinterachsdifferential tropft, und zwar stark. Wir haben weder Öl zum Nachfüllen noch Dichtungsmasse zum Reparieren dabei. Das Risiko ist uns zu hoch, wir kehren um. Wieder einmal erleben wir herzliche Gastfreundschaft und schnelle selbstlose Hilfe, dieses Mal bei Marius und Lotti am Camp Aussicht. Unter den Anweisungen von Marius dichte ich das Differential und bin mächtig stolz. Unsere Tour in das Kaokoveld wird jetzt etwas kürzer ausfallen. Dennoch wird es wieder einmal extrem spektakulär. Es geht durch Fels-, Schotter- und Kieswüste. Wir übernachten in Sanddünen an einem Flussbett, dem wir dann auch später folgen. Für uns extrem ungewohnt nutzen die Namibianer ausgetrocknete Flussläufe als Verkehrswege. Jetzt kurz nach der Regenzeit sind zwar immernoch kleine Wasserläufe oder tiefmatschige Stellen, die dann eben am Ufer umfahren werden. Für jeden Offroad-Enthusiasten und Landschaftsliebhaber ein Genuß. Immer wieder glauben wir, eine Stelle niemals bewältigen zu können, aber unser Landcruiser baggert sich überall durch, das Flußbett rauf und runter. Wir sehen nicht nur Antilopen, sondern auch Giraffen, Zebras und irgendwann sogar die seltenen Wüstenelefanten. Diese sind um einiges kleiner als ihre normalen Verwandten, und man hatte uns erklärt, dass sie dieses Jahr schon viel weiter im Norden seien. Zuerst sehen wir nur einzelne Exemplare und dann eine kleine Herde im ausgetrockneten Flussbett sich mit Sand bewerfen. Wir kommen bis auf wenige Meter an ihnen vorbei, sie lassen sich durch uns nicht stören. Nach den einsamen Pisten des Kaokovelds geht es über genauso einsame Pisten des Damaralands. Vorbei an versteinerten Baumstämmen und einem ¨verbrannten¨ Berg geht es in einen erloschenen Vulkankrater. In dieser ausgetrockneten Mondlandschaft verbringen wir eine Vollmondnacht. Wir sitzen am Lagerfeuer unter dem endlosen afrikanischen Himmer, trinken kaltes Dosenbier und genießen die angenehmen Nachttemperaturen. Es heißt, dass tagsüber im Krater selbst im Winter Temperaturen über 35 Grad herrschen, so dass wir das Zentrum in den frühen Morgenstunden durchfahren. Dennoch, es ist heiß, die Strecke ist anspruchsvoll, und wir sind froh, als wir um die Mittagszeit den Kraterrand wieder erreichen und uns ab jetzt nur noch abwärts Richtung Küste bewegen. Wenige Kilometer später erfasst uns dann wieder der Temperaturschock. Von knappen 40 kühlt es an der Küste auf wenig über 20 Grad ab. Wir packen unsere Pullover aus und zwängen unsere Füsse seit Wochen wieder in festes Schuhwerk. Und wir besuchen die Robbenkolonie von Cape Cross. Hier leben bis zu 250.000 Robben (mehr als Einwohner in Windhoek!) und man kommt ihnen sehr nah. Auf einem Holzsteg läuft man zwischen den Tieren durch, die sich durch die wenigen Besucher nicht im Geringsten stören lassen. Sie sonnen sich, baden, streiten, watscheln zum Meer oder kommen vom Beutegang aus dem Meer zurück. Die Luft ist vom lauten Rufen der Jungtiere nach ihren Müttern und deren Antwort erfüllt, und vom infernalischen Robben-Gestank. Dennoch können uns von dem tierischen Treiben kaum losreißen. Jetzt sind wir wieder in Swakopmund, legen einen Tag Pause ein, bevor wir uns in den Süden Namibias aufmachen. Ab jetzt führt unser Weg kontinuierlich nach Süden, Richtung Kapstadt und damit dem Endpunkt unserer Reise entgegen. Dies lässt uns einerseits schon ein bisschen wehmütig werden, andererseits gibt es bis dahin sicherlich noch viel zu sehen und zu erleben. Und darauf freuen wir uns nach wie vor. Ihr werdet davon lesen!

Wir sehen die Gischt der Wasserfälle von unserem Campingplatz aus
Wir sehen die Gischt der Wasserfälle von unserem Campingplatz aus

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