Was ist das?

Was ist das? Eine kleine weiße Frau sitzt mit weit geöffneten, angsterfüllten grünen Augen am Lagerfeuer und hält mit beiden Händen einen komplett ausgefahrenen Teleskop-Wanderstock wie eine Waffe vor sich? Das ist Tina im Chobe und Moremi Nationalpark. Wie schon mal erwähnt sind die Nationalparks in Botswana nicht eingezäunt, ebenso die Camps in denen man übernachtet. Und wenn einem die Ranger empfehlen die 50 Meter zur Dusche mit dem Auto zu fahren, abends ein Lagerfeuer gegen Wildtiere anzuzünden und keinesfalls bei Dunkelheit das Zelt zu verlassen, dann wird einem schon ein bisschen mulmig. Andere Reisende haben uns von abendlichen Begegnungen mit Hyänen und sogar Löwen im Camp berichtet, und so hat Tina ihren Wanderstock kurzerhand zweckentfremdet. Ob sich ein Löwe davon beeindrucken lassen würde? Auf dem Khwai River Camp bekommen wir Besuch von einer Hyäne. Diese Tiere habe ich mir viel kleiner vorgestellt, aber sie sind richtig groß, können bis zu 60 kg schwer werden. Sie hat uns drei mal am Feuer besucht, sich aber auch immer wieder vertreiben lassen. Wir hatten noch bei Tageslicht gekocht, gegessen und gespült, es war für sie also nichts zu holen. Das Camp war gut belegt, und so gab es anderweitig Grillfleisch zu stibitzen. Anders am Xakanaka Camp. Wir waren lange alleine und erst spät kamen noch zwei Geländewagen, die aber in größerer Distanz und ausserhalb unserer Sicht campten. Unter Tags hatten wir schon Besuch von Elefanten und Antilopen. Jetzt am Abend saßen wir wieder gemütlich am Lagerfeuer, welches die wilden Tiere abhalten sollte. Tina mit ihrem obligatorischen Wanderstock in Händen. Wir fühlten uns relativ sicher im Feuerschein, als ein Grollen uns das Blut in den Adern gefrieren ließ. Kein Zweifel, das ist ein Löwe, der warnend knurrt, und er muss dort in den Büschen sein, keine 15 Meter von uns entfernt. Wir lassen alles liegen und stehen und springen in unser Dachzelt. Mehrfach hat man uns bestätigt, dass Löwen kein geschlossenes Zelt überfallen würden. (doch dann kommen so komische Gedanken, ob alle Löwen das auch wirklich wissen, ob es für komplett geschlossene Zelte gilt oder nur für das Moskitonetz, oder ob das ganze nur eine Legende ist, damit die Touristen weiterhin in die Parks kommen, etc.) Wir liegen wie erstarrt im Zelt und starren gebannt durch das Moskitonetz in die Richtung. Das Grollen wiederholt sich ständig, und ja, wir haben richtige Angst. Wir können nichts tun als Abzuwarten und zu Hoffen, dass es irgendwie gut ausgehen wird. Nach vielleicht einer viertel Stunde kommt aus der gleichen Richtung ein lautes Knacken, dann ein Krachen, Holz splittert - und dann zieht majestätisch ein gigantischer Elefant in 2 Meter Entfernung an unserem Dachzelt vorbei, Er überragt uns bei weitem. Das grollen lässt nach und irgendwann löst sich unsere Spannung und wir sinken in einen unruhigen Schlaf. Als ich die Elefantenspuren am nächsten Morgen im Sand anschaue, bin ich echt erstaunt. Meine Schneeschuhspuren im Winter sind Kinderfüsschen dagegen. Wir erzählen später einem Ranger das Erlebnis und er meint, dass der Elefant in das Revier des Löwen eingedrungen sei, weshalb dieser warnend gegrollt hat. Es galt also nicht uns. Dies ist einerseits beruhigend, andererseits lag ein Löwe keine 20 Meter von uns unbemerkt im Gebüsch. Jetzt erholen wir uns zuerst einmal in Maun von den wilden Erlebnissen der letzten Tage, bevor wir uns Richtung Namibia aufmachen.

Die Regenzeit ist vorbei, das Gras wird gelb im Moreni
Die Regenzeit ist vorbei, das Gras wird gelb im Moreni
Auf diesem romantischen Platz hat uns nachts der Löwe gestört
Auf diesem romantischen Platz hat uns nachts der Löwe gestört

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Kommentare: 1
  • #1

    Karin E-A (Samstag, 28 März 2015)

    Alhamdulillah...da bekommt man beim Lesen noch Gänsehaut. Afrika ist halt kein Ponyhof. Mit einem Rüsselschlenker könnte ein Elefant das fahrende Wohn- und Schlafzimmer unsanft schütteln.
    Alle Achtung!!! Ich bewundere den Mut von Tina, sich nur mit einem Teleskopwanderstock "bewaffnet", verteidigen zu wollen. Was anderes habt ihr nicht in eurem Reisegepäck?
    Mich hat vor einigen Jahren, auf der Insel Föhr, eine ausgebüxte, freilaufende Kuh in Panik versetzt.
    Gebetsmühlenartig kann ich nur wiederholen: "Passt auf euch auf" und weiterhin "Gute Fahrt!"