wenige Tiere, dafür aber ganz nah...

In Lusaka beschließen wir noch ein bisschen in Zambia zu bleiben und einen Bogen über den Kafue Nationalpark zu machen, bevor wir zu den Victoria Falls fahren. Doch zuvor haben wir noch drei Aufgaben in Lusaka zu erledigen: Einen neuen Luftfilter für unser Auto, unsere Gasflasche befüllen lassen und unsere Autoversicherung verlängern lassen. Der Verkehr in der zambischen Hauptstadt ist unbeschreiblich. Man kommt in dem Chaos kaum weiter. Wir brauchen einen kompletten Nachmittag und den kompletten nächsten Vormittag um diese Dinge zu erledigen. Auf dem Weg zum Nationalpark sehen wir schon, dass es mit Tierbeobachtungen wahrscheinlich nichts werden wird. Das Gras am Straßenrand ist teilweise über zwei Meter hoch, da werden wir wohl nicht viel sehen. Wir finden einen schönen Campingplatz und logieren direkt am Fluß. Ein dringendes Bedürfnis zwingt mich dazu, die romantischen strohgedeckten Toiletten auf zu suchen. Als ich es mir gerade gemütlich gemacht habe, höre ich hinter mir ein Schnaufen, Schmatzen und Stampfen. Sofort springe ich auf und luge durch die Bambuswand. Ein Nilpferd stapft schmatzend einen Meter von mir entfernt am Klohäuschen entlang. Das ist mir dann doch ein bisschen zu viel Nähe. Abends, im Licht der Taschenlampe sehen wir, dass direkt vor uns ein kleines Krokodil im Wasser liegt. Es ist vielleicht anderthalb Meter lang. Als ich nachts wach werde und zum Zeltfenster herausschaue, liegt es direkt neben unserem Auto. Auch jetzt vergeht das Verlangen die Toilette aufzusuchen spontan. Am nächsten Morgen machen wir dann unseren Ausflug in den Park. Kaum von der Asphaltstraße abgebogen bleiben wir nach zwei Kilometern im tiefen Schlamm stecken. Hier hilft keine Seilwinde, zu tief haben wir uns festgefahren. Jetzt muss gebuddelt und mit dem Wagenheber das Fahrzeug angehoben werden. Während wir schuften bemerken wir einen einzelnen Elefantenbullen, der vielleicht in 100 Metern Distanz friedlich grast. Wir lassen ihn nicht aus den Augen, und tatsächlich nähert er sich langsam grasend. Plötzlich ist die Neugierde wohl doch stärker und er kommt auf uns zu. Wir springen ins Auto. Zuerst schnüffelt er unsere Ladefläche ab. Dann kommt er ums Auto. Er stellt sich direkt vor mein Seitenfenster, die Stoßzähne sind keine dreißig Zentimeter vom Fenster weg und er wackelt gefährlich mit Rüssel und Ohren. Vor meinem inneren Auge sehe ich schon das Glas splittern. Dann geht er weiter und postiert sich vor dem Auto. Jetzt stampft er zusätzlich mit dem Fuß, um uns zu zeigen, dass er der stärkere ist. Wir glauben das ohne Diskussion, nur können wir uns ihm nicht verständlich machen. Jetzt beginnt er neben dem Auto zu grasen, unterbrochen von Kontrollblicken zu uns. Aus zwei Metern Distanz werden 5, dann 10. Doch dann kommt er wieder von vorne, er traut uns einfach nicht so richtig. Nach über einer Stunde hat er eine Distanz erreicht, dass wir es wagen aus dem Auto zu steigen und die Bergung ganz leise fortzusetzen, natürlich immer den grauen Riesen im Blick. Er lässt uns gewähren und verschwindet zwischen den Bäumen. Uff. Wir sind schweißgebadet und völlig fertig. Wir lieben die Wildtiere Afrikas, doch wahren wir gerne eine gewisse Distanz. Glücklicherweise kriegen wir unser Auto wieder flott und verlassen den Park. Bis auf einen weiteren Elefanten und einigen Antilopen haben wir nichts mehr gesehen. Aber es hat uns auch gereicht. Drei Nah-Erfahrungen sind so viel wie 1001 Fernbeobachtung...

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