Malawi

Mit dem ersten Eindruck sollte man bei der Beurteilung eines Landes etwas vorsichtiger sein, das habe ich spätestens in Sambia bemerkt. Dennoch, unser erster Eindruck von Malawi war äußerst positiv. Schnelle (relativ) Grenzabfertigung, und danach treffen wir auf gut ausgebaute, fast schlaglochfreie Straßen. Das Land ist dicht bevölkert, alles sieht gepflegter und sauberer aus, als in Zim und Zam. Überall wird Landwirtschaft betrieben, und neben Mais sehen wir endlich auch mal Tabak, Gemüse und andere Kulturpflanzen. Die Hauptstadt Lilongwe empfängt uns mit heftigem Regen, aber das sind wir von Harare und Lusaka gewohnt.Lilongwe bietet nicht viel, weshalb wir nur eine Nacht in einem mit holländischen Jugendlichen übervölkertem Backpackers bleiben. Der nächste Tag führt uns nach Senga Beach, wo uns Sam von der Cool Runnings Lodge ein bisschen über Malawi erzählt. Tatsächlich ist malawi eines der ärmsten Länder Afrikas, es hat keine nennenswerte Bodenschätze, keine Industrie und nichts, was man exportieren könnte. Deshalb sind viele Hilfsorganisationen im Land, kümmern sich um sauberes Trinkwasser, vernünftige Straßen, Ausbildung und helfen den Menschen bei ihrer landwirtschaftlichen Selbstversorgung. Deshalb sieht es so aufgeräumt aus. Einerseits ein komisches Gefühl durch ein so armes Land zu fahren. Andererseits, wir sehen zwar arme Menschen, aber niemanden der offensichtlich an Hunger leidet. Die meisten Menschen sehen zufrieden aus, wir erleben Offenheit, Friedfertigkeit und kaum Bettler. Die Kinder winken uns aus Neugierde zu, und nicht weil sie etwas wollen. Aber, der Verkehr auf den guten Straßen spielt sich hauptsächlich mit Fußgängern und Radfahrern ab. Wenn wir uns einem größeren Dorf nähern, erinnert mich das ein bisschen an die Fotografien von Flüchtlingsbildern in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Alles ist unterwegs, und meist schwer bepackt, und immer mit eigener Muskelkraft. Was wir in Zambia schon gesehen haben, Fahrradtaxis, ist hier absoluter Standard.die meisten Räderhaben ohnehin einen verstärkten Gepäckträger mit vergrößerter Plattform. Diese ist bei den Taxen noch zusätzlich mit einer gepolsterten Platte versehen. Unterm Sattel ist eine kleine Lenkstange angeschweißt, an der Hinterachse sind Fußrasten. Und auf dieser Plattform sitzt alles, was es sich diese Beförderung leisten kann und will. Frauen sitzen häufig im ¨Damensitz¨, das heißt mit beiden Beinen nach links zum Straßenrand hin (alle Länder hier unten haben Linksverkehr). Viele junge Frauen haben zusätzlich ihr Baby im Tragetuch auf dem Rücken. Aber auch der Priester mit Stehkragen und Gesangsbuch in der Hand, oder der ¨Manager¨ mit Anzug, Krawatte und Laptoptasche auf dem Rücken sitzt auf dem Fahrradtaxi, genauso wie die Oma und die ganz normalen Menschen hier unten. Es ist absolut faszinierend. Bei einer größeren Steigung, schiebt der Taxifahrer und sein Passagier läuft neben her, den Berg runter meistern beide dann umso schneller gemeinsam. Auf dem Campingplatz in Senga waren wir ebenfalls nicht alleine. Doch anstatt holländischer pubertierender Jugendlicher, die um Mitternacht noch unter Gekreische in den Pool springen und danach bei reichlich Alkohol und Zigaretten direkt vor unserem Auto den Philosophischen Zustand unserer Welt diskutieren (so war das jedenfalls bei mir, in dem Alter) haben wir in Senga eine komplett andere Gruppe Campingplatzbesucher. Eine kleine Einheit britischer Soldaten ist hier für einige Wochen stationiert und bildet malawische Soldaten für ihren Einsatz im Kongo aus. An den wäscheleinen hängen Kampfanzüge in camouflage und vor den Hütten liegen Stahlhelme und Springerstiefel. Und die Sorge dieser Männer ist, dass die Kollegen in Malawi, mit denen sie inzwischen freundschaftliche Gefühle verbinden, wieder lebend und gesund aus dem Kampfeinsatz im Kongo zurück kehren. Jetzt sind wir ein Stück weiter den Malawi See Richtung Norden gefahren, und haben am Sandstrand von Kendi Beach Rast gemacht.

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Kommentare: 1
  • #1

    olli (Samstag, 28 Februar 2015 23:51)

    hey christian, dunkel die andere seite ist, sehr dunkel ;-)
    aber das wolltest du ja . . .
    ich flieg übrigens in 6 tagen nach costa rica, nicht ganz so abenteuerlich aber bestimmt wieder spannend, also bis denne,
    halt die ohren steif, aber nur die ohren ;-)
    ciaoolli