Mutare

Great Zimbabwe Monument ist die größte mittelalterliche Steinruinenstadt Afrikas, südlich der Sahara. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Sie ist Ausdruck eines entwickelten und wohlhabenden Reiches, das irgendwann untergangen ist und die Stadt dann von Nomaden und späteren nicht so entwickelten Völkern genutzt wurde. In diesem Sinne könnte man sie mit Petra in Jordanien vergleichen, wobei ich nicht weiß, wie historisch bedeutsam Great Zimbabwe ist. Jedenfalls wurde das Land, welches während der Kolonialzeit Südrhodesien hieß, nach der Unabhängigkeit wie diese Stadt benannt. Eigentlich hätten wir die Ruinen wieder für uns alleine gehabt, wenn da nicht ein Reisebus mit einer Lehrergruppe aus der Nachbarstadt gekommen wäre. Ich erzähle dem Busfahrer von unserer Polizeikontrolle und er lacht sich halb tot. Das waren definitiv Betrüger, da ist er sich sicher. In Simbabwe gibt es weder Zivilstreifen, noch irgendein Verkehrsverstoß, der über 20 Dollar kosten würde. OK, wieder was gelernt. Die nächste Station sind die Chimanimani Mountains an der Grenze zu Mosambik. Wir besuchen einen Wasserfall, baden in dem kristallklaren Wasser, umgeben von Dschungel und Felsen und wandern ein bisschen. Abends in der Lodge fallen uns die jungen Pärchen auf, die kommen, mit dem Manager plaudern, was trinken und dann im Haus verschwinden. Wir sind mal wieder in einem Stundenhotel gelandet. Glücklicherweise schlafen wir draussen in unserem Zelt. Aber was sollen die jungen Leute denn tun, wenn sie mal zu zweit sein wollen. In der all gegenwärtigen Rundhütte mit der ganzen Familie drumrum, kommen sicherlich keine romantischen Stunden zu stande. Der weitere Weg Richtung Mutare an der Mozambikanischen Grenze entlang wird von uns komplett unterschätzt. Dies war die ganz ursprüngliche Verbindungsstraße, wird aber seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt, ausser von den dort lebenden Bauern und Schmugglern. Der erste Teil ist auch noch ziemlich ok, obwohl es regnet. Tiefe rote Schlammpfützen, Schlaglöcher und ein bisschen schmierig - das schreckt uns nicht mehr. Was dann aber kommt, lässt unsereDurchschnittsgeschwindigkeit rapide sinken. Immer am steilen Berghang entlang, wird diese Piste nur noch von Fussgängern, Vieh und schmalen einachsigen Esel-Karren genutzt. Nach einigen Kilometern, nicht mal mehr von diesen, wir sind einfach zu hoch und zu weit weg, so dass hier keine Menschen mehr leben. Die Piste ist schmal, manchmal sind Teile schon abgerutscht oder durch Felsen blockiert, so dass wir mit unserem schmalen Geländewagen gerade so durch kommen. Heftiger Regen hat metertiefe Rinnen gewaschen, die wir nur gaaaanz langsam überfahren können, dann wieder tiefer Schlamm, Geröll oder purer Fels. Teilweise ist die Piste dann wieder so stark mit Vegetation überwuchert, daß wir nicht sicher sind, wo der Abhang links beginnt, wo Pfützen oder Matsch lauern. Nach Stunden kommen wir in Richtung eines Sägewerks, und da beginnt, was wir aus Reiseberichten im tropischen Afrika kennen. Eine breite, knallrote Schlammpiste mit tiefen Spurrinnen und Löchern, die die großen Waldmaschinen hinterlassen haben. Als wir nach diesen vielleicht 80 Kilometern endlich wieder Asphalt unter den Rädern haben, beginnt die Dämmerung, und wir haben nochmals die gleiche Distanz nach Mutare, wo es Unterkünfte geben soll. Seit Botswana wissen wir, dass wir unsere Tagesstrecken sorgfältig planen müssen, da sich die touristische Infrastruktur nur auf große Städte und Sehenswürdigkeiten beschränkt. Und diese sind manchmal bis zu 300 Kilometern entfernt. Tankstellen übrigens ähnlich, und dann kann es sein, daß diese keinen Dieselkraftstoff haben. Dieses Mal haben wir uns kräftig verkalkuliert und wir machen das, was wir unbedingt vermeiden wollten. Wir fahren in der Nacht. Nicht nur, dass unser Oldtimer nur altersentsprechende Beleuchtung und keine Zusatzscheinwerfer hat, durch sein assymetrisches Licht und den Linksverkehr, fühlt sich der Gegenverkehr gestört und blendet unaufhörlich auf. Es gibt keine sichtbare Fahrbahnbegrenzung, dafür aber tiefe Schlaglöcher, Menschen, Tiere, Karren, Fahrräder und vieles mehr auf der Fahrbahn, alles unbeleuchtet. Das war die gefährlichste Fahrt, die ich je gemacht habe. Es war so anstrengend, dass ich danach sogar auf mein Abendessen verzichtet habe - und wer mich kennt, weiß, daß dies nur ganz ganz selten passiert.

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Kommentare: 3
  • #1

    Karin (Montag, 09 Februar 2015 15:25)

    Nachdem ich lange nichts gehört habe per Whatsapp, habe ich mir Sorgen gemacht und bin mal in den Blog gegangen. Jetzt habe ich Gänsehaut . . . . . Hoffentlich geht es nicht so weiter . . . . Seit dem Eintrag sind immerhin auch schon wieder sieben Tage vergangen.
    Ich hoffe alles ist gut :-) Meldet Euch sobald es wieder geht . . ..
    Grüßle Karin

  • #2

    Andi (Montag, 09 Februar 2015 17:37)

    Hallo Ihr zwei,
    uns geht`s wie Karin. Euer Blog vom 02.02.15 klingt ja abenteuerlich. Aber besser ihr habt 20 Dollar bezahlt als einen über die Rübe bekommen. Hoffentlich macht euer Oldtimer das Alles bis zum Schluss mit.
    Viele leibe Grüße aus dem verschneiten Deutschland.
    Britta, Andi und Sina

  • #3

    Stefan (Donnerstag, 12 Februar 2015 06:46)

    Hallo Abenteurer, nur weiter so mit den Berichten. Eure Reise mit dem Finger auf der Karte zu verfolgen ist ganz schön spannend und lässt den Büroalltagsstress schnell verfliegen. Viel Glück weiterhin!