Abenteuerliches Syrien

The Rallye is over - again

Der erste Blogeintrag lautet (so weit ich mich erinnern kann, leider kann ich es nicht überprüfen) The Rallye is over - long live the Rallye!

Das war sozusagen der Auftakt zum nochmaligen Rallye-Start. Jetzt, am Tag der letzten Sonderprüfungen und der Zielflagge, bin ich der Meinung, dass ich diese Rallye nicht wiederholen werde - obwohl, der Besuch des SOS-Kinderdorfes war ein Riesen-Höhepunkt, und wir wurden eingeladen wieder zu kommen.

Aber der Reihe nach. Meine lezte Eintragung ist ja noch aus Palmyra, und seither ist wieder soooooo viel passiert.

Klar, die ansonsten ruhige und beschauliche Wüstenoase wurde von der Rallye geradezu überrollt. Preise für Bier und Essen stiegen stündlich, wie an der Börse. Andenkenverkäufer und bettelnde Kinder vermehrten sich exponential. Wir wollten eigentlich auf den Campingplatz, da standen aber Rallye-FAhrzeuge schon eng an eng, was den Besitzer natürlich nicht davon abhielt: come in Sir, I have a nice place for you!

Wir suchten uns mit Hilfe unseres Reiseführers ein Hotel etwas ausserhalb.Nachdem wir geparkt hatten wurden immer mehr Teilnehmer darauf aufmerksam und stiegen auch dort ab. 30 Betten, 45 Gäste - man kann in der Wüste doch niemanden wegschicken, wenn er um Unterkunft bittet. Auf Dach und Balkonen wurden Matratzen ausgelegt, Doppelzimmer wurden zu 4-Bett Zimmern umfunktioniert. Das sehr nette Personal dort steht im krassen Gegensatz zum "besten" Restaurant der Stadt. Dort sitzen die meisten Rallye-Teilnehmer, das Essen ist auch wirklich ok. Eine Speisekarte mit Preisen bekommt man aber erst nach Aufforderung und nach dem Bezahlen habe ich mal ausgerechnet, was eine Dose Bier gekostet hat: 7,50 Euro. Ja, ich weiß, erstens fragt man zuerst und zweitens ist Bier in einem islamischen Land sowieso teuer, dennoch ist das absoluter Nepp. Am nächsten Morgen haben wir eine Tüte Gemüse fürs Abendessen gekauft, die hat keine 25 Cent gekostet. Krasses Misverhältnis.

Nach der Sonderprüfung in Katans Garten - wir mussten wieder ein Bild von seinem Wetterturm aus machen, beschlossen wir nicht nach Damaskus weiterzufahren, sondern noch eine Nacht in der Wüste zuzubringen. Wir fuhren Richtung Irak um ein altes Wüstenschloss zu besichtigen. Die Aussenmauern sind noch sehr gut erhalten. Im Inneren ist leider sehr viel zerstört und eigentlich nicht für Besichtigungen gerichter. Man klettert wirklich über die alten Steine und Säulen.

Ein Junge mit dunklem Gewand und roter Schirmmütze bedeuter uns, ihm zu folgen. Er kennt die "Klettertour" durch die Ruine um auf die Mauer zu kommen. Wir genießen die Aussicht. Der Abstieg wird hingegen abenteuerlich. Auf allen vieren kriechen wir durch Mauerlöcher, springen Absätze hinunter und überwinden große Mauerspalte, bis wir endlich wieder unten sind. Wir geben ihm ein bisschen Geld - und kurze Zeit später sitzen wir mit seiner Familie beim Tee im Beduinenzelt neben dem Besucherparkplatz. Sie machen dort ein bisschen Folklore und verkaufen Getränke. Wir verstehen uns zwar überhaupt nicht gegenseitig, man sitzt nur da, entspannt und zeigt sich vielleicht etwas gegenseitig: Als Allah die Zeit schuf, schuf er sich reichlich.

Dann suchen wir uns einen Schlafplatz in der Wüste. Über Geröll plagen wir unsere Autos einen Hügel hoch. Direkt an einem kleinen Wadi haben wir einen ebenen Platz. Wir braten die türkischen "Sucuk"-Würste an, die wir seit Kayseri in Gepäck haben und essen dazu Gemüse vom Markt in Palmyra. Das ein oder andere warm bis heiße Bier dazu und langsam legt sich die Stille der Wüste über uns.

Der nächste Tag führt uns nach Damaskus. Aleppo haben wir ja an einem Freitag erlebt - die Stadt war leer. Damaskus ist voll, laut, hektisch, chaotisch - Tina wird es etwas zu viel. Aber wir wollen, bzw. sollen einen bestimmten Hammam besuchen und die Beweisbilder für die Rallye entwickeln lassen. Also, auf ins Getümmel. Die Parkplatzsuche wird eine Nervenaufreibende Geschichte, das Ganze bei knappen 40 Grad im Auto.

Irgendwann sitzen aber Matthias und ich im Hammam, der Masseur lässt meine Wirbelsäule krachen, dass mir Angst und Bange wird, und Heinz und Tina suchen und finden das Fotogeschäft. Für uns ist klar, noch einen starken Kaffee, und dann geht es raus aus der Stadt. Wir halten uns Richtung Süden, Es dauert ewig, bis wir endlich die Stadtrandgebiete überwunden haben. Wir beginnen einen Übernachtungsplatz zu suchen, während die Dunkelheit hereinbricht. Wir biegen von der Hauptstraße in eine kleine Straße Richtung Westen ab, und dann irgendwann in einen Feldweg. Es geht keine 20 Sekunden und ein Araber steht da und will uns verjagen. Dann auf einem Damm ein schwerbewaffneter Soldat. Wir beginnen zu palavern, mehrere Soldaten erscheinen. Wir geben auf und verschwinden. Es ist stockfinster. Wir kommen durch Dörfer und Städtchen. Plötzlich rechts ein hell erleuchtetes Öffentliches Gebäude. Ich sehe Uniformierte und beschließe die Polizei zu fragen, wo wir übernachten könnten. Es ist jedoch keine Polizeistation, sondern das Krankenhaus - wie sich später herausstellt ist aber eine Polizeistation mit Gefängniszelle auf dem Gelände untergebracht. Ein englisch radebrechender Pfleger meint, wir könnten hier auf dem Krankenhaushof übernachten, no problem.

Wir parken und erregen natürlich großes Interesse. Der Verwaltungschef kommt. Er meint das ginge alles schon klar, er müsse aber noch telefonieren, wir sollten warten. Wir zeigen die arabisch geschriebenen "permits" der Rallye-Organisation. Dennoch scheint man nicht richtig zu verstehen, was wir eigentlich wollen. Dann kommt ein gepflegter Mitfünfziger in weißem Trainingsanzug auf den Hof gesaust. Wir werden in ein feudales Büro geführt - es ist der Polizeichef, den wir wohl in seinem Feierabend gesört haben. Er nimmt unsere Pässe, er müsse das alles zuerst einmal überprüfen, wir bräuchten uns aber keine Sorgen zu machen. Er verschwindet mit unseren Pässen. Uff, was nun.

Immer mehr offizielle und Halboffizielle wollen alles mögliche von uns wissen. Ein völlig entnervter Rambo-Macho-Polizist taucht auf, und lässt sich alles wiederum erklären - scheinbar ist er für das Krankenhaus zuständig und hat von dem ganzen garnichts mitbekommen, so dass er jetzt alle Informationen schnell braucht, aber uns keines Blickes würdigt. Die Pistole hat er übrigens einfach hinter den Levis-Gürtel in die Hose gesteckt - habe ich bislang bei einem Polizisten so noch nie gesehen.

Wir erklären und bauen schon mal unsere Autos auf. Man lädt zum Tee auf der Terrasse vor der Polizeistation auf dem Gelände. Wir dürfen in der Gefängniszelle aufs Klo und uns waschen. Der Chefarzt kommt im grünen OP-Kittel.Er spricht ganz gut englisch und will alles von uns wissen. Was wir bezwecken, ob wir palästinensische Freunde hätten, etc. Als er den anderen übersetzt höre ich mehrfach das Wort "mossad", israelischer Geheimdienst. Jetzt werde ich nervös. Klar, wir haben uns Richtung Grenzgebiet gewandt. Am nächsten Morgen sehen wir überall Geschützstellungen. Und da kommen wir Paradiesvögel aus Deutschland und der Schweiz, mit seltsamen vollbeladenen Autos und wollen in einem Krankenhaus übernachten. Hört sich doch alles irgendwie komisch an.

Wir bewahren die Ruhe und verkriechen uns in die Schlafsäcke. Ich informiere kurz unseren "Reisepaten" Frank, wo wir sind und wie die Situation ist, just in case. Kurz darauf kommen unsere Pässe - alles in Ordnung, Good night and sleep well!

Trotzdem machen wir kaum ein Auge zu in dieser Nacht!

 

...wird fortgesetzt...

Aleppo - Halap
Aleppo - Halap
Palmyra, die Wüstenoase in Syrien
Palmyra, die Wüstenoase in Syrien
Am Wüstenschloß
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ältestes Hammam in Damaskus
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Übernachtung vor syrischem Krankenhaus - links von uns ist die Polizeistation mit Gefängnis...
Übernachtung vor syrischem Krankenhaus - links von uns ist die Polizeistation mit Gefängnis...

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