orientalische Gastfreundschaft ohne Ende

Puh, zwei hammer-ereignisreiche Tage liegen jetzt schon wieder hinter uns. Wir hatten nicht nur keine Zeitzum bloggen, die technischen Vorraussetzungen haben ebenfalls gefehlt, im Sinne eines stabilen Daten-Mobil-Netzes. Das letzte Mal habe ich Euch von Ankara erzählt.

Kurz nach Ankara haben wir einen Übernachtungsplatz gesucht. Es ist auch in einem dünn besiedelten Land wie der Türkei nicht ganz so einfach ein Plätzchen zu finden, wenn man es mit dem PKW erreichen will. Und der Großraum Ankara ist zudem nicht dünn besiedelt. Dennoch haben wir gerade mit dem letzten Tageslicht einen Brunnen abseits der Hauptstraßen ausgemacht, an dem jedoch schon mehrere Autos standen. Trotzdem sind wir hingefahren: Türkische Männer essen an dem Brunnen ihr Picknick, trinken Bier und haben viel Spaß an der Abwechslung mit uns. Wir stellen uns etwas abseits auf, richten unser Lager ein und beginnen zu kochen.

Es ist wirklich schade, wie zugemüllt die Landschaft an den Plätzen ist, wo die Leute zum Picknicken hinkommen, an Straßenrändern oder um Siedlungen herum. Aber es scheint sich auch keiner daran zu stören. Inmitten von Unrat, Plastikmüll, abgenagten Knochen, Glasscherben und Bierdosen macht die nächste Familie ihr Picknick. Wir haben einen Picknickplatz gesehen, wo unter dem Holztisch sich der Müll bis zur Platte stapelte - aussen herum saß eine Familie. Aber wenn ich mir überlege, wie sich das Umweltbewußtsein in Deutschland oder der Schweiz entwickelt hat und danach die anderen westeuropäischen Länder mitgegangen sind. Früher war es in Frankreich ähnlich wie heute in den Balkanländern, Kleinasien oder dem Nahen Osten. (Es liest ja kein Franzose mit ;-)))

Wir verbringen eine frische Nacht auf über 1000 Höhenmetern und Tina und ich sind begeistert von unserer Zeltkonstruktion auf dem Autodach und unserer Campingausrüstung. Wir fühlen uns wirklich wohl draußen zu sein, anstatt in einem zweifelhaften Hotelzimmer.

Der nächste Tag wird lang und schwer - unsere bislang längste Etappe mit über 700 km und knappen 7.000 Höhenmetern. Dazwischen noch zwei Sonderprüfungen: Wir müssen eine bestimmte Wurst in Kaisery probieren und diese Verkostung fotografieren, und wir müssen die Partnerstadt von Gaziantep herausfinden um dann in Gazi Antep mit über 1 Mio Einwohner die entsprechende Straße zu finden.

Alles klappt prächtig. Wir lassen uns gerne von Einheimischen helfen, es schlägt uns fast immer überschwengliche Hilfsbereitschaft entgegen. Oft ist es den Leuten zu kompliziert uns den Weg zu erklären und fahren einfach mit dem Auto oder Moped voraus. Heute ging es uns in Homs/Syrien ähnlich: Wir fragten einen Fußgänger nach dem Weg, ein Auto mit einem englisch sprechenden Herrn hielt gleich an und fragte, ob er uns helfen könne. Zuerst machte er eine Skizze, dann überlegte er es uns doch zu zeigen, aber seine Frau und 4 kleine Kinder saßen im Auto, und alle seien hungrig. Wir sollten doch lieber zum MIttagessen mitkommen, es sei doch sowieso Essenszeit. Nein, wir hätten keine Zeit, dann fahre er halt doch bis zu der komplizierten Kreuzung vor.

Gesagt getan, wir folgen, er gibt uns Zeichen, wir biegen ab - Natürlich falsch... Kurz darauf kommt er mit heulendem Motor und quietschenden Reifen hinter uns her - seine Frau auf dem Beifahrersitz mit großen Augen - wir seien falsch abgebogen, er fahre nochmals voraus. So geht es uns hier.

Aber nochmals zurück zu gestern. Wir kommen gegen 19 Uhr an die syrische Grenze. Die Türken sind korrekt, hilfsbereit und freundlich, wir sind zügig durch. Auf der syrischen Seite sind schon mindestens 50 Rallye-Autos, es es kommen immer mehr hinter uns. Eine gewisse Erfahrung von letztem Jahr, sowie große Gelassenheit in unserer wirklich sehr harmonischen Gruppe, lassen uns das alles problemlos bestehen. Nur damit Ihr ein Bild von so einem Grenzübergang bekommt.

Zuuerst gibt es eine Passkontrolle am Grenzeingang, ohne Visum kann man hier schon wieder umdrehen. Dann fährt man weiter zu den Abfertigungsgebäuden und wechselt Geld - einen ganz bestimmten Eurobetrag der dann in zwei verschiedene Päckchen syrische Pfund umgetauscht wird. Dann schließt man in einem Versicherungsbüro eine Fahrzeugversicherung ab, und ist schon das erste Päckchen Geld los. Jetzt geht es weiter zur Pass- und Visumkontrolle, hier wird dann auch das Fahrzeug korrekt in den Reisepass eingetragen. Dann geht es zu zwei verschiedenen Zollbüros, die Formulare ausfüllen, Stempel draufdrücken usw. Und schon kommt das befreiende "Finished, you can go!" Stimmt aber nicht, denn jetzt fährt man das Auto noch zur Fahrzeugkontrolle: Haben Sie etwas zu verzollen? Wenn auch das erledigt ist, dann gibt es nur noch eine einzige Passkontrolle am Ausgang, eigentlich alles ganz easy!

Wir waren jedenfalls nach rekordverdächtigen zwei Stunden fertig. Und jetzt stehen wir da, in totaler Dunkelheit in einem fremden Land. Die 70 km nach Aleppo wollen wir heute nicht mehr fahren, das erscheint uns zu gefährlich - und die ersten Kilometer durch die Nacht geben uns recht. Also fahren wir zuerst einmal ein paar kilometer und schlagen uns dann auf eine Nebenstraße, durch ein Dörfchen Richtung Felder. Alles ist bebaut, kein Plätzchen frei, wo man sich hinstellen könnte, ohne einen morgendlichen Traktor zu blockieren.

Wir fahren zurück ins Dorf, da war doch ein kleiner Laden, da brannte noch Licht. Als wir parken macht ein Junge schnell die Tür zu, verriegelt sie und schaut durch eine kleine Klappe raus. Er ist vielleicht 10 oder 11 Jahre alt. Wir versuchen unser Anliegen zu erklären, er merkt, dass er keine Angst vor uns zu haben braucht kommt heraus und zeigt auf die breite Straße vor dem Laden: hier könnten wir campen, kein Problem. Inzwischen kommt sein großer Bruder dazu, keiner spricht eine Silbe englisch ausser "OK" und meint, wir könnten auch im Haus schlafen. Das lehnen wir dankend ab und bauen das Zelt auf, bzw. richten Esmeralda. Inzwischen werden es immer mehr Kinder, sie schauen zuerst aus der Entfernung, kommen dann näher und linsen in das Auto. Beim Zelt aufschlagen auf dem Dach sind dann gleich hilfreiche Hände zur Stelle um es an der Platte zu befestigen. Dann kommt ein Mädchen und spricht Tina in gebrochenem Englisch an, wir mögen doch in das Haus kommen, sie würden uns gerne einen Tee oder Kaffee anbieten. Wir nehmen die Einladung an und machen uns in dem großen Wohnzimmer mit großem Teppich in der Mitte und Polstern ringsum gemütlich. Wir identifizieren die Mutter und offensichtliche Chefin des Hauses, um uns herum sind immer zwischen 10 und 15 Kindern. Inzwischen kommt auch Großmutter und freut sich über die Gäste, wir trinken Tee und versuchen uns gegenseitig zu erklären. Und dann kommen drei Männer, der Hausherr, ein Bruder und ein zukünftiger Schwager, wie sich bald herausstellt. Man nimmt unsere Anwesenheit selbstverständlich, hat viele Fragen, das arme Mädchen versucht so gut es geht zu dolmetschen. Alles in einer freundschaftlichen offenen und herzlichen Atmosphäre. Tina,die langärmlig gekleidet ist und unser Sprachrohr zur Dolmetscherin ist, bekommt ihre nackten Füsse mit einem Tuch zugedeckt, als die Männer kommen. Immer wieder kommt noch ein Familienmitglied dazu und will Anteil an dem Ereignis haben.

Nach dem Tee verabschieden wir uns, natürlich müssen wir versprechen die Einladung zum Frühstück anzunehmen.

Nach einer von Dorfgeräuschen durchlärmten Nacht (Mopeds, Hühner, Katzen, Traktoren, Autos, und was noch alles) erleben wir mit der eigentlichen Familie das Frühstück.

Ihr seht schon, ich könnte noch stundenlang berichten und weiterschwärmen, aber ich sitze jetzt in Palmyra, es ist schon spät und nach einem weiteren ereignisreichen Tag macht sich massiver Hunger bei uns allen breit.

Also, schauen wir mal, was die heimische Gastronomie für uns bereithält!

 

Uebrigens, ich habe bei den aelteren Blogs auch wieder Bilder eingefuegt, scrollt halt mal nach unten.

Unsere Gastfamilie: die Hadidis!
Unsere Gastfamilie: die Hadidis!
unser Fruehstueck bei den Hadidis
unser Fruehstueck bei den Hadidis
Froehliche Maedchen in Aleppo Zitadelle
Froehliche Maedchen in Aleppo Zitadelle

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